Wer hat Angst vor dem bösen Wolf?
Blog post, 06/03/2026, von Sven Franck (en français, in english) -
TL;DR - In dieser Woche besuchte Friedrich Merz den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Zuvor hatte er gemeinsam mit Keir Starmer und Emmanuel Macron die iranischen Angriffe auf Nachbarländer verurteilt, ohne die Rechtfertigung der USA und Israels zu hinterfragen, den Nahen Osten in Brand zu setzen. Außerdem stellte er sich an die Seite von Donald Trump, der den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez kritisierte - den einzigen europäischen Regierungschef, der klar Stellung bezog. Inzwischen hat er zwar etwas zurückgerudert, aber ich erkenne hier keine wirkliche Strategie – außer vielleicht, dass Deutschland darüber nachdenkt, der 51. Bundesstaat der USA zu werden.
Sind Autoverkäufe die AfD wert?
Was hätte Friedrich Merz sagen können? Wenn Migration laut der US National Security Strategy eine solche Bedrohung für unsere europäische Kultur darstellt, hätte er die USA fragen können, ob sie diesmal die Flüchtlinge aufnehmen, die vor diesem Konflikt Schutz suchen. Europa bewältigt bereits die Folgen von Syrien, Afghanistan – und nicht zu vergessen der Ukraine, wo Donald Trump ebenso seinen FIFA-Weltfriedenspreis nicht wirklich verdient. Es ist leicht, einen Krieg zu beginnen, wenn andere anschließend die Folgen zu tragen haben.
Doch das würde erfordern, über die Interessen der deutsche Autoindustrie hinwegzusehen. Die USA setzen wieder voll auf Öl und verlängern somit künstlich die Lebensdauer von Verbrennungsmotoren. Wer ein wenig 4D-Schach spielen würde, könnte auch erkennen, dass eine weitere Flüchtlingswelle aus dem Iran am Ende die AfD ins Amt spülen und die Konservativen in den Abgrund reißen könnte. Man muss das Selbstvertrauen von Friedrich Merz haben, um die illegalen deutschen Grenzkontrollen als ernsthafte Verteidigungslinie zu verstehen.
Wo ist unsere europäische Leadership? Und dieses vereinte Europa?
In der Zwischenzeit haben mehrere Staats- und Regierungschefs den Fauxpas erkannt und ihre Unterstützung für Pedro Sánchez ausgedrückt - der nun wie Thierry Breton vermutlich maßgeschneiderte Sanktionen erhalten wird während Spanien mit einer neuen Runde von Strafzöllen überzogen wird. Man könnte Donald Trump darauf hinweisen, dass Rohöl kein Olivenöl ersetzt, aber die meisten Mitgliedstaaten produzieren keine Oliven - und damit komme ich zum Kern meines Posts: Wenn Friedrich Merz und andere nationale Regierungschefs nicht länger in ihrer Komfortzone sind, warum lassen sie dann keine echte europäische Führung zu?
Das würde bedeuten, einen Schritt zurückzutreten: Deutschland würde nicht deutsche Grenzen kontrollieren - weil Europa seine Außengrenzen beschützt. Spanische Oliven haben die gleiche Bedeutung wie deutsche Autos, und die Kommission hätte ein starkes Mandat, um unsere gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen zu verteidigen. Und es würde bedeuten, eine gemeinsame Außenpolitik zu haben, die auf einer europäischen Sicherheitsstrategie basiert und über Mechanismen verfügt, um schnell und gemeinsam zu reagieren.
Warum sollten Staats- und Regierungschefs das tun? Die Bürger sind bereit für ein vereintes Europa. So wie rechtsextreme Parteien die Agenda in der Migrationspolitik beeinflussen, sollten Föderalisten die Agenda für Integration bestimmen. Wenn die Wahl zwischen europäischer Führung und nationaler Führung besteht, die für ihre jeweiligen Industrien unsere liberale Demokratie aufs Spiel setzt, ist meine Wahl klar. Wir müssen die EU neu starten - #jumpstartEU.
Was meint ihr? Abgesehen von Pedro Sánchez und Thierry Breton – wer wäre ein idealer "europäischer Leader" und warum?