Apropos
Wer bin ich?
TL;DR - Mein Name ist Sven. Ich bin 48 Jahre alt und komme aus Bayern. 2012 bin ich nach Lille gezogen und leite Innovationsprojekte für einen Open-Source Publisher, der beweist, dass man heute viele Dinge mit in Europa entwickelten Technologien machen kann. Ende letzten Jahres bin ich nach Slowenien gezogen, das vierte EU-Mitgliedsland nach Deutschland, Österreich und Frankreich, das ich hoffentlich bald mein Zuhause nennen kann.

Ich bin ein Volt-Oldie, der 2018 beigetreten ist, als Volt noch ein kleiner und naiver Trupp war - weit entfernt von den 35.000 Mitgliedern in 31 Ländern, die wir heute sind. Neben dem lokalen Team in Lille war ich vier Jahre im Vorstand von Volt Frankreich, davon zwei als Co-Präsident. 2024 wurde ich zum Spitzenkandidat für die Europawahlen in Frankreich gewählt und versuchte, Volt Europa's symbolischer Spitzenkandidat zu werden. Jetzt in Slowenien helfe ich beim Aufbau unseres slowenischen Chapters, während ich vom Schreibtisch des örtlichen Comicladen darüber nachdenke, wie man das europäische Projekt "kurzschließen" kann, um es wieder ins Laufen zu bringen.
What's next?
Volt wurde gegründet, um das europäische Projekt in Richtung eines föderalen Europas zu entwickeln - das „+1“ in unseren „5+1“-Kernzielen. Angesichts der letzten acht Jahre und der Veränderungen in der Welt bin ich jedoch immer mehr überzeugt, dass Reformen der europäischen Verträge der erste Dominostein sind, den wir umstoßen müssen.
Das Europäische Parlament ist dafür der falsche Ort. Es steht am Ende der legislativen "Nahrungskette" und hat keinen Hebel, um Vertragsreformen durchzusetzen oder unsere Ziele auf die legislative Agenda zu bringen. Wir müssen kreativere Wege finden, nationale Regierungen zu beeinflussen und Europa dorthin zu bewegen, wo es hinmuss - ein echter politischer und geopolitischer Akteur auf globaler Ebene zu werden. Wenn Nationalisten unverfroren den Abbau der EU fordern - unterstützt von Trumps und Putins Sprachrohren - müssen Föderalisten ebenso klar die vollständige europäische Integration fordern und Unterstützer finden, die uns helfen, den Stein ins Rollen zu bringen.

Was mache ich im echten Leben?
2012 bin ich von Österreich nach Frankreich gezogen, um für einen der größten Open-Source Publisher Europas zu arbeiten (wir sind allerdings nur 40 Entwickler). Ich leite unsere französischen und europäischen F&E-Projekte in den Bereichen Cloud, Verteidigung, Telekommunikation und Industrial automation.
In die IT bin ich schon vor 2012 quer eingestiegen - mit einem Start-up, das Kleinaufträge im Sportartikelhandel automatisierte (Internet statt Telefon und Fax). Die Gründung eines Unternehmens war nicht nur ein Crash-Kurs in IT und Programmierung. Nachdem das Wachstum aber eher "bonsai" statt "exponentiell" war, habe ich den Laden irgendwann zugemacht und bin in Frankreich gelandet.
Die Idee, ein eigenes Unternehmen zu gründen, kam mir bei der Arbeit im Textilgeschäft meiner Eltern. Ich habe meine Zeit im Verkauf und Marketing, sowie in Asien verbracht und die Schwierigkeiten der Finanzierung und Unternehmensführung kennengelernt - einschließlich Insolvenzen und feindlicher Übernahmeversuche.
Zuvor studierte ich Betriebswirtschaft mit Schwerpunkten Marketing, Finanzierung und Innovationsmanagement in Deutschland und den USA - mein zweiter Aufenthalt in den „Flyover“ Staaten der USA, nachdem ich mit 17 bereits ein Jahr an einer High School verbracht hatte.
Was mache ich bei Volt?
Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen 2017 und der Stichwahl zwischen Macron und Le Pen wurde mir klar, dass Demokratie doch eher eine fragile Angelegenheit ist. Als Deutscher hatte in Frankreich kein Wahlrecht bei Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen, wollte aber dennoch einen Beitrag leisten. Bei der Suche nach einer Bewegung, die nicht zu „politisch“ klang, entdeckte ich Volt und meldete mich aus Neugier an. Ein erstes europäisches Treffen in Paris bestätigte mir, dass wir doch recht naiv waren angesichts der Größe der Aufgabe, aber zugleich sehr motiviert, Politik und Europa zum Besseren zu verändern. Und so begann mein lila Abenteuer.

Leider kam Volt in Frankreich nicht sehr weit. Wir scheiterten schon am Eröffnen eines Bankkontos. Neue Parteien in Frankreich haben es nicht einfach. Nicht an den Europawahlen teilnehmen zu können, war für mich eine große Enttäuschung. Das Gute an Volt Europa ist aber, dass wir theoretisch 27 Versuche haben, es richtig zu machen. Nur ein Erfolg reicht, um allen anderen Teams einen Grund zu geben, weiter zu arbeiten. Mit unserem ersten Abgeordneten in Deutschland hatten wir diesen Daseinsgrund. Fünf Jahre später stellen wir bereits fünf Abgeordnete im Europaparlament.
Meine erste echte Kampagnenerfahrung machte ich 2020 bei den Kommunalwahlen in Lille - als Kandidat für den Stadtrat und als Verantwortlicher von Volt in einer Koalition mit EELV. Es war eine gute Erfahrung, mit etablierten Parteien zu arbeiten, Dinge wie Haustürwahlkampf zu lernen und ein Gefühl für den Aufwand zu bekommen, den es braucht, um tatsächlich gewählt zu werden. Wir verloren mit rund 200 Stimmen. Ich hörte auf, enttäuscht zu sein. Politik ist nicht einfach und ich begann, Erfahrungen mit anderen Teams in Frankreich zu teilen.
Um eine Chance bei den Europawahlen 2024 zu haben, kandidierte ich zunächst für den französischen Vorstand und wurde 2021 zum Ko-Vorsitzenden gewählt. Unsere Ziele waren die Teilnahme an den Legislativwahlen, um öffentliche Mittel zu erhalten und unsere Bewegung zu professionalisieren. Wir wollten bezahltes Personal einstellen, sowie eine Koalition mit einer realistische Perspektive auf einen Volt-Abgeordneten in Frankreich in 2024 aufbauen. Diese Ziele habe ich mit unserem Board erreicht und obwohl die Europawahlen nicht wie geplant verliefen - selbst eine Koalition mit den notwendigen 1,5 Mio. €, um alle Stimmzettel zu drucken, garantiert keinen Erfolg - habe ich meine Lektionen gelernt und werde 2029 etwas anderes versuchen. Zum Beispiel in einem anderen Mitgliedsstaat kandidieren.
Und privat?
Derzeit ist das Leben nach unserem Umzug nach Slowenien noch etwas bürokratisch bzw. chaotisch. Ich bin weiterhin Mitglied in französischen Associations für ein föderales Europa, und werde sicherlich mein Netzwerk in Ljubljana und darüber hinaus aufbauen, sobald ich Grundkenntnisse in Slowenisch habe - was sich bereits als interessante Herausforderung erweist. Famous last words...: Ich war viele Jahre Couchsurfing-Host und Meetup-Organisator, war gut im Tango und halte immer Ausschau nach Brutalismus-Architektur. Entsprechend habe ich ein Blind Date in einem Kernkraftwerk organisiert und meiner Frau im Kühlturm des ehemaligen Kraftwerks in Charleroi einen Heiratsantrag gemacht.