In Vielfalt vereint bedeutet dass open-source Mainstream werden muss
Blog post, 06/02/2025, von Sven Franck (en français, in english) -
TL;DR – Letztes Wochenende war FOSDEM in Brüssel, die weltweit größte Open-Source-Konferenz. Und während ich versuchte, unsere Volt-MEPs als Panelists für EU-Policy-Sessions im nächsten Jahr zu pitchen, kündigten die Organisatoren in der Abschluss-Sessions an, dass Politik auf FOSDEM nächstes Jahr eine wichtigere Rolle spielen soll. Perfekt, denn es ist höchste Zeit, dass Europa open-source zur Norm macht.
Demokratie ist open-source, Autoritarismus ist proprietär
Wenn mich jemand fragt, warum sie oder er Volt beitreten sollte, argumentiere ich oft, dass Demokratie open-source ist: Wir leben in einer Demokratie, und sie funktioniert (mehr oder weniger), ohne dass man wählen geht oder sich in einer politischen Partei engagiert. Bis zu einem gewissen Punkt. In der Softwarewelt sind open-source Lösungen meist zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht kontinuierlich weiterentwickelt werden, um mit dem technischen Fortschritt Schritt zu halten. Wenn es keine Mitwirkenden und Maintainer gibt, die dafür sorgen, dass sie eine Software auf Kurs bleibt, funktioniert sich irgendwann nicht mehr oder wird vollständig übernommen.
In einer Demokratie kann das ebenfalls passieren. Das "End game" ist jemand wie Trump, der gewählt wird und die Demokratie in ein anderes System verwandelt. Wenn open-source Software proprietär wird, musst man vielleicht auf einmal dafür bezahlen, man verliert Zugang und oder Daten und man weiß nicht, welche Daten gesammelt werden und wie sie genutzt oder vielleicht sogar gegen Nutzer verwendet werden. Die Analogie ist offensichtlich: Demokratie ist wie open-source und lebt von Contributions. Kleine Contributions, wie einer Stimme bei einer Wahl. Und Größere, wie die aktive Mitarbeit in einer politischen Partei.
In Vielfalt geeint sein erfordert Interoperabilität
Ein weiteres Beispiel, das ich oft benutze, sind Sprachen. Man kann die Grammatik und den Wortschatz jeder Sprache nachschlagen, sie lernen und sprechen. Was wenn Sprachen nicht "open-source" wären? Talking with Aliens kommt in den Sinn. Wir haben in Europa 27 Mitgliedstaaten und über 20 gesprochene Sprachen. Dasselbe gilt für Technologien: Es gibt keine EU-weiten Monolithen, sondern ein riesiges Ökosystem wettbewerbsfähiger Technologien.
Man könnte argumentieren, Europa brauche monolithische Standards, um wettbewerbsfähig zu sein. Aber das wäre so, als würde Spanien Spanisch vorschreiben (sorry, Katalonien), oder die EU würde Latein, Esperanto, Englisch oder was auch immer zur alleinigen Amtssprache erklären. Not. gonna. work. Ich glaube nicht, dass unsere europäische DNA auf diese Weise umprogrammiert werden sollte. Stattdessen sollten wir unsere Vielfalt auch im technologischen Bereich akzeptieren und zu lernen nutzen. Dafür muss die EU auf open-source setzen. Denn wenn unsere unterschiedlichen Technologien lernen, miteinander zu "sprechen", können sie mit jedem Hyperscaler mithalten.
Um dorthin zu gelangen, müssen wir die Informationsasymmetrie aufbrechen: Europa hat Lösungen, um souverän und wettbewerbsfähig zu sein. Dafür braucht es technisches Bewusstsein auf politischer Ebene, wo Regierungen oft standardmäßig auf ausländische Anbieter zurückgreifen, weil ihnen beigebracht wurde, dass es nichts anderes gibt. Und es braucht politischen Willen auf technologischer Ebene, denn auch wenn open-source Lösungen interoperabel sind, erfordert ihre Integration oft politischen Willen. FOSDEM setzt hier wichtige Weichen, indem die Konferenz hoffentlich beide Ideen zusammenbringt und vorantreibt.