Ein Fork der EU

LinkedIn blog post, 12/08/2025, von Sven Franck (en français, in english)
TL;DR – Egal, wo man seine Ferien verbracht hat (ich habe die Ostsee umrundet), man konnte nur schwer die EU Mitgliedsstaaten bei Sabotage Verhandlungen der Europäischen Union mit Donald Trump ignorieren. Die EU ist in FOMO-Stimmung, da in Kürze die nächste Folge von „Orange Mirror“ ausgestrahlt wird: Donald Trump trifft auf Wladimir Putin, um herauszufinden, wie sie gemeinsam den Friedensnobelpreis für die Invasion und Zerstörung eines Nachbarlandes gewinnen können 🕊️💥.
Die EU veröffentlichte zu diesem Anlass sogar eine gemeinsame Erklärung von 26 Regierungen. Eine gemeinsame EU-Position der 27 Mitgliedsstaaten war natürlich von vornherein ausgeschlossen - wegen Viktor Orbán.
Das brachte mich zum Nachdenken: Ich vergleiche Demokratien oft mit Open-Source-Software: Man kann sie nutzen, indem man wählt, und man versuchen, sie zu verbessern (interessiert? 👉 Volt Europa beitreten). Wenn allerdings ein Open-Source-Projekt in Schwierigkeiten gerät, übernommen wird, die Betreuer verschwinden oder keine Updates mehr machen, erstellen die Beteiligten manchmal einen Fork.
Fork wie Weggabellung
Beispiel: Die Datenbanksoftware MySQL wurde 2008 von Sun Microsystems übernommen, die wiederum 2010 von Oracle gekauft wurden. Aus Angst, Oracle würde die Entwicklung seines wichtigsten Open-Source-Konkurrenten beenden, erstellten die Gründer einen Fork von MySQL namens MariaDB – eine exakte Kopie, um die Entwicklung fortzusetzen. Die Community wechselte zu MariaDB, das heute in der Datenbankwelt führend ist und sich seit dem ursprünglichen Fork von MySQL erheblich weiterentwickelt hat.
Realistisch oder nicht – warum nicht die EU forken? Denn egal, welche Vorstellung man von einer zukünftigen Europäischen Union hat, jede Änderung der Verträge erfordert Einstimmigkeit, und es wird immer jemanden geben, der „nope“ sagt. Wir sehen derzeit, wie die EU keinerlei geopolitischen Einfluss hat. Keine gemeinsame Verteidigung. Keine Seltenen Erden. Eine schwache Kommissionspräsidentin. Außerdem fehlt ihr jeglicher interner Hebel, um ein Blockierer zum Mitmachen zu zwingen.
Interne Hebel schaffen
Man stelle sich also vor, es gäbe eine Schublade mit einem Plan für einen Fork der EU. Entworfen von gewillten Mitgliedsstaaten, die bereit sind, einen EUxit zu vollziehen, um eine exakte Kopie der Europäischen Union zu starten – minus der schlechten Dinge, plus all dem, was die EU braucht, um geopolitisch wettbewerbsfähig zu sein: etwa eine Verfassung, ein gemeinsames Militär und einen schrittweisen Prozess zum EU-Beitritt oder Ausschluss.
In der Software reicht es oft aus, eine solche Alternative in der Schublade zu haben, da schon die Androhung, sie zu nutzen, Verhandlungsmacht schafft – besonders, wenn die Gruppe der Stakeholder bzw Mitgliedstaaten eine kritische Masse erreicht (man denke an qualifizierte Mehrheit).
Das Risiko, nicht in die geforkte und modernisierte EU aufgenommen zu werden, dürfte an der Wahlurne 🗳️ Wunder wirken und Führer wie Viktor Orbán dazu zwingen, sich in der aktuellen Version der EU anzupassen. Schließlich ist es besser, während einer Entscheidung kurz für einen Kaffee den Raum zu verlassen, als dass der gesamte Raum in ein anderes Gebäude umzieht, während Viktor Orban draußen an der Kaffeemaschine steht. Die Idee weiterdenken auf #jumpstartEU