Europa - Gut zum Geschäfte machen?

Europa - Gut zum Geschäfte machen?
Zug fahren (ohne Verspätung) ist Zeit zum Nachdenken und posten.

LinkedIn blog post, 03/06/2025, von Sven Franck (en français, in english)

TL;DR - Vor kurzem habe ich eine US-Diskussion über Trumps Zoll-Achterbahn gesehen, und der Satz, der mir im Gedächtnis geblieben ist, lautete: Die USA haben die Ideen 💡, China die Produktion 🏭 und Europa... kann nur regulieren 📐.

Wahr oder falsch – es scheint zu sein, was man bekommt, wenn sich die Europäische Kommission in geopolitischen Fragen bedeckt hält (oder von Mitgliedsstaaten mundtot gemacht wird) und stattdessen eine 28. bürokratische Ebene über die bestehenden 27 legt, anstatt sie zu vereinheitlichen oder zu integrieren.

Regulierung an sich muss nicht schlecht sein – sofern sie einem Zweck dient. Studien zeigen, dass EU-Bürger von besseren und günstigeren Produkten im Vergleich zu den USA profitieren, weil es supranationale Regulierung gibt. Ich würde jedoch behaupten, dass ab einem gewissen Niveau der Grenznutzen fast jeder Maßnahme negativ wird – sprich: zu viel Regulierung kann Innovation ersticken. Die EU scheint sich klar in diesem negativen Bereich zu bewegen, auch der übergeordnete Zweck von "Regulierung" fehlt und wenn Regulierung zu sinnvoll ist, wird sie per Omnibusschnellschüssen wieder abgeschafft, um spezifische Interessengruppen zu bedienen...

Die Frage ist, ob die Kommission überhaupt ein Geschäftsmodell oder zumindest eine Vision hat – irgendetwas jenseits von 🚀 „Mutig den Status quo zu verwalten“. Regulierung sollte schließlich nur ein Mittel zum Zweck sein. Aber was ist Europas Zweck? Angesichts dessen, dass viele Bereiche heute zu sensibel sind, um nur auf ausländische Technologien zu setzen, steht die EU plötzlich vor der Aufgabe, Dinge selbst zu entwickeln. Nicht unähnlich zu den USA... aber wir sollten uns etwas Intelligenteres einfallen lassen, als Partner mit Zöllen zu erpressen. Wir brauchen unser eigenes Ziel, um unsere Regulierung zu rechtfertigen.

Die Geschichte gibt Denkanstöße: Vielleicht erinnert sich noch jemand an VHS und Video2000? Das bessere, aber proprietäre Video2000-Format verlor gegen das weniger ausgereifte, aber offen verfügbare VHS-Format, das jeder weiterentwickeln konnte. In vielen Bereichen muss die EU wahrscheinlich von einer „VHS-Position“ aus starten – warum also nicht Offenheit vorschreiben? Man stelle sich vor: verbindliche Interoperabilität von MS-Office-Formaten in andere Anwendungen, alle sozialen Medien müssen APIs auf Basis von ActivityPub bereitstellen und Inhalte für andere Applikationen bereitstellen, Open Source und Open Hardware sind verbindlich, wenn die USA uns F35-Kampfjets und Militärtechnologie verkaufen wollen. Gleiches gilt für alle anderen Bereiche, in denen unsere Infrastruktur durch proprietäre Systeme lahmgelegt werden könnte. China verlangt Joint Ventures und Technologietransfer für die Genehmigung von Niederlassungen in China. Europa könnte Offenheit zur Geschäftsbedingung machen. Wunschdenken – denn leider scheint der Kommission der Wille zu fehlen, langfristige Ziele zu definieren. Wer an Europa's happy end interessiert ist: #jumpstartEU