40 Jahre Marketing mit einer Flagge?

40 Jahre Marketing mit einer Flagge?
Fast unsichtbar - ein schäbiges Plastikschild kennzeichnet die verwendeten EU Fördermittel.

LinkedIn blog post, 30/05/2025, von Sven Franck (en français, in english)

TL;DR - Vor genau 39 Jahren, am 29. Mai 1986, wurde die Europaflagge offiziell vor der Europäischen Kommission in Brüssel eingeweiht. Ebenfalls gestern las ich auf Facebook auf eine Anzeige eines Jugendmagazins, das die Flagge und eine "europäische Identität" anpries – und in den Kommentaren einen Shitstorm zu "WTF ist europäische Identität?" erntete.

Ich kann nur zustimmen. EU-Marketing ist voller Leere (wer erinnert sich an "You are EU"). Ich habe auch gehört, dass die Kommission nur wenig Werbebudget hat, aber sie kann Abgeordnete des Europäischen Parlaments als "Botschafter" entsenden. Da jedoch nur rechtsextreme Abgeordnete Zeit haben, da sie am Parlamentsbetrieb meist nicht teilnehmen, ist meistens das Gegenteil von "EUvangelists" unterwegs. Es gibt keine Eurovision und keinen Europapa. Seit 39 Jahren klebt die EU fast schon heimlich ihre Flagge an dunkle Gebäudeecken und Laternenmasten, um dem zufälligen Leser mitzuteilen, dass X oder Y mit Unterstützung der Europäischen Union finanziert wurde. Ganz große Werbung.

Was machen die anderen Supermächte? Die Vereinigten Staaten zeigten seit dem Zweiten Weltkrieg, wie man eine globale Marke aufbaut (und zeigen aktuell wie man sie wieder zerstört - aber das ist ein anderes Thema). Ob Coca-Cola, das Dream Team, Hollywood oder sogar David Hasselhoff – die USA können Marketing. Im Ausland, indem sie französische Kinos im Rahmen des Marshallplans verpflichteten, US-Filme zu zeigen, oder USAid für Demokratieaufbau nutzten. Und im Inland, wo vor jedem kleinen Sportereignis die Nationalhymne gespielt wird, während wir es nicht einmal schaffen, bei den Olympischen Spielen unter der Europäischen Flagge anzutreten.

Man könnte ins Feld führen, Marketing sei nicht Aufgabe der EU. Vielleicht ist genau das das Problem. Während vergangener Wahlkämpfe habe ich oft Menschen getroffen, die während des Entstehens der EU aufgewachsen sind. Sie hatten große Hoffnungen für das europäische Projekt und sind heute bitter enttäuscht. Sie hofften nicht, dass Europa USB-Stecker reguliert. Sie träumten nicht nur von einer Wirtschaftsunion (die wir übrigens immer noch nicht haben), sondern auch von einer demokratischen Union. Ein vereintes Europa, das nationale Spaltungen überwindet und die Stimme der Völker auf dem Kontinent eint. Das erfordert keine Verträge und Referenden, sondern eine Konstitution und vor allem Marketing: innerhalb unserer Grenzen, um neue Hoffnung zu wecken und die Bereitschaft zu fördern, das europäische Projekt voranzubringen – und in der Welt darüber hinaus, in der die EU in die Fußstapfen der Vereinigten Staaten treten muss.

Noch einmal 40 Jahre nur Flagge zeigen wird nicht reichen. Lasst uns kreativ werden: #jumpstartEU